Kungsleden Wandern im Herbst

Der Kungsleden, schwedisch für Königsweg, ist sicher einer der beliebtesten Wanderwege Skandinaviens. Besonders der nördliche Kungsleden zwischen Abisko und Nikkaluokta zieht jedes Jahr tausende Wanderer an und entsprechend frequentiert geht es in den Sommermonaten auf dem Kungsleden zu.

Ich hatte den nördlichen Kungsleden bereits einmal während der Polarnacht gemeinsam mit Martin Hülle per Ski überquert. Mitte Dezember waren wir in der dunkelsten Jahreszeit hier unterwegs und es war phantastisch sowie total einsam. Auf der gesamten Route begegneten wir damals nur zwei Samen, die mit Schneemobilen eine Rentierherde über den Tjäktja Pass trieben.

Nun sollte nochmal Kungsleden Wandern im Herbst sein. Ohne Ski und Dunkelheit, sondern mit (hoffentlich) Sonne und angenehmen Temperaturen.

Reisebericht Kungsleden Wandern im Herbst

Tag 1
Pünktlich auf die Minute erreichen wir mit dem Bus am frühen Mittag Nikkaluokta. Im Winter war das hier ein total verlassenes Geisterdorf, heute ist aber einiges los und bestimmt 40 Leute warten auf den Bus, der gleich wieder zurück nach Kiruna fahren wird. Wir verstauen unsere Sachen in den nun gewaltig vollgepackten Rucksäcken und auf geht´s zum Kungsleden Wandern im Herbst!
Zunächst durch typisch nordische Birkenwäldchen und die Strecke ist einfach zu gehen und gut markiert. Unser erstes Ziel ist eine Bootsanlegestelle, wo wir ein Boot nehmen wollen, was uns den ersten Wandertag um einige Kilometer verkürzen soll. Rechtzeitig kommen wir dort an doch leider hat der berühmte LapDonald Burgergrill seit gestern Winterpause! So entgeht uns der berühmte Lapplandburger. Mit uns sind dann noch ein halbes Dutzend andere Wanderer an Bord, die meisten gehen jedoch nur bis zur Fjällstation bzw. wollen den Kebnekaise in den nächsten Tagen besteigen. Wir sind wohl die einzigen, die den Kungsleden Mitte September in Angriff nehmen. Das Boot ist aus Stahl und hat sehr wenig Tiefgang, was auch gut ist, denn die letzten Kilometer fahren wir stromaufwärts einen kleinen Fluss entlang und der Kapitän muss genau schauen, wo die Sandbänke liegen, um nicht auf Grund zu laufen.

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Wir wandern weiter und erreichen nach zweieinhalb Stunden die Kebnekaise Fjällstation. Hier ist eine Menge los, ganze Schulklassen sind in dem großen Hüttenkomplex untergebracht. Unangenehm kalt ist es geworden und der Wind bläst uns direkt ins Gesicht. Es hilft alles nicht, wir wollen nochmal zwei Kilometer weiter zu einem besonders schönen Lagerplatz mit Blick über das ganze Tal. Die Schwierigkeit ist heute, eine halbwegs ebene und windgeschützte Fläche für das Zelt zu finden. Wir haben Glück und bauen hinter großen Steinen unser Helsport Fjelheimen 6 auf. Das Zelt ist ein Megapalast, eigentlich viel zu groß für zwei Leute, entsprechend schwer – aber hat den enormen Luxus von unendlich Raum und einer großen Apside zum Kochen. Die erste Etappe war anstrengend und die letzten Kilometer ziemlich steinig. Entsprechend müde steigen wir früh in die Schlafsäcke.

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Tag 2
Der Wind hat sich zum Glück gelegt und wir können unser Frühstück Draußen genießen. In aller Ruhe packen wir das Zelt zusammen und machen uns auf den Weg talaufwärts. Oft führen Holzstege über besonders sumpfige Stellen und man ist froh, hier nicht bis zum Knöchel im Wasser stehen zu müssen. Am Ende der Kungsleden Wanderung werden wir unzählige Kilometer auf diesen Holzstegen gegangen sein und wir haben uns gefragt, ob wohl jemand mal gemessen hat wie viele Holzlatten hier verlegt sind!? In jedem Fall ist es eine tolle Arbeit und macht das Vorwärtskommen einfach. Auch haben die Schweden über jeden noch so kleinen Fluss eine Brücke gebaut. Wer, wie ich, viel auf Island unterwegs ist, weiß diesen Luxus zu schätzen. Dort werden Brücken über Gletscherflüsse wirklich nur dann gebaut wenn man nur unter Lebensgefahr furten könnte aber hier auf dem nördlichen Kungsleden bleiben die Wanderschuhe immer schön an den Füßen… Stunde um Stunde wandern wir weiter. Mal eine Pause hier, mal dort. Gegen Mittag packen wir den Kocher aus und machen uns einen Kaffee. Dann erreichen wir endlich den Pass bevor es hinein ins große Hochtal geht, wo wir auf den offiziellen Kungsleden Fernwanderweg stoßen. Dieses Tal werden wir die nächsten Tage nordwärts bis zum Tjäktiapass und dann im nächsten Tal weiter bis nach Abisko gehen.

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Das Wetter ist heute deutlich angenehmer als gestern, sogar die Sonne kommt etwas heraus und es wird richtig warm, sodass wir Stück für Stück die Kleidung ablegen. In der Sonne kann man sogar im Shirt wandern – wer hätte das gedacht zu dieser Jahreszeit nördlich vom Polarkreis! Wir passieren die Singi-Hütte, eine von 5 Hütten bis nach Abisko. Mit unserem Zelt sind wir autark und suchen lieber einsame Camps etwas abseits der Hütten. Nur im Abisko Nationalpark ist es untersagt, wild zu campieren und man muss direkt an der Abiskojaure-Hütte schlafen. Bis dahin ist es noch viel Zeit. Gegen fünf Uhr haben wir unser Kilometersoll erfüllt für heute, und stellen das Zelt auf einem sensationellen Platz auf einem Bergrücken mit Panoramablick über das Hochtal auf. Gekocht wird Draußen und wir essen in der Abendsonne, relaxen und machen natürlich viele Fotos von der tollen Landschaft.

Tag 3
Weiter durchs Hochtal in Richtung Tjäktja Pass. Teilweise ist die Strecke heute mit übelsten Steinpassagen gespickt und mit schwerem Rucksack ist es nicht einfach, einen guten Weg zu finden. Mit leichtem Gepäck würde man von Fels zu Fels springen aber das lassen wir mit knapp 20 KG auf dem Rücken besser sein! Wir passieren eine Hängebrücke, die bedenklich schwingt aber vertrauen auf die schwedische Ingenieurskunst 😉
Am Mittag gibt es einen kurzen Schauer und die Steine werden noch rutschiger, so das ich mich zweimal auf die Nase lege. Zum Glück nur im Zeitlupentempo und der Rucksack fängt etwas vom Aufprall ab. Heute wollen wir bis kurz vor den Tjäktja Pass kommen, um am nächsten Tag eine lange Etappe bis zum See Alesjaure zu schaffen. Der Wetterbericht hatte für heute mieses Wetter vorausgesagt und Petrus hält sich dran. Dicke Wolken hängen über dem Tal und auch die Temperaturen sind nicht so warm wie gestern. Am Nachmittag erreichen wir ein kleines Hochplateau und beschließen, hier unser Nachtlager aufzuschlagen. Die Suche nach einem geeigneten Platz ist nicht einfach und so laufen wir eine halbe Stunde herum, weil es hier zu schräg, dort zu uneben, mal zu weit von der nächsten Wasserquelle oder einfach zu nah am Wanderweg ist. Schlussendlich finden wir eine hübsche Stelle und haben gerade das Zelt stehen, da öffnet der Himmel seine Schleusen und es regnet und stürmt. Das nenn ich mal gutes Timing! Wir verbringen den restlichen Tag im warmen Schlafsack, kochen uns Tee und unsere TreknEat Trockennahrung, vorneweg Alpenkäse und Kaminwurzen und danach ein zartes Stück Schokolade… Was für ein feudales Leben und das fern der Zivilisation.

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Tag 4
Frisch ist es geworden. Wir sind auf 900 Meter über dem Meeresspiegel und da kann man keine 20 Grad mehr erwarten… Dick eingemummelt wandern wir los, den Pass die ganze Zeit vor Augen. Der Anstieg wird eine kleine Kraftanstrengung, dafür sollte uns dann aber angenehm warm werden! Im Zickzack geht der Weg nach oben, wir sehen ein Kreuz und denken: Mensch, da muss der Gipfel sein – war ja gar nicht so schwer! Aber nix da: Das vermeintliche Gipfelkreuz stellt sich nur als Wegweiser für einen der zahlreichen Meditationsplätze auf dem Kungsleden heraus. Diese Orte sind immer sehr schön positioniert mit tollem Ausblick über die Landschaft aber bei gefühlten 5 Grad ist uns nicht wirklich nach Meditation zu Mute. Also weiter hinauf bis zum Pass und dort angekommen genießen wir eine kleine Pause in der Schutzhütte, wo ich vor einigen Jahren bei der Wintertour schon einmal war. Hier oben gibt es sogar ein Plumpsklo, was wir feierlich fürs Morgengeschäft nutzen 😉

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Nach dem Pass wandern wir über endlos lange Holzstege dann bis zur Tjäktjahütte, die wir aber links liegen lassen, da wir ja noch einige Kilometer vor uns haben. Der Himmel reißt langsam auf und so können wir unsere Mittagspause an einem kleinen Bach in der Sonne genießen. Wir blicken auf das Kebnekaise Massiv im Süden und vor uns bewegt sich das Wollgras im Wind. Die Etappe heute ist total einsam, kaum begegnen uns andere Wanderer. Die Landschaft hier ist wirklich unfassbar schön. Wir machen viele Fotostopps und die letzten mühsamen Kilometer bis zur Alesjaure verkürzen wir mal wieder durch 100% Unsinn-Erzählen und viel Lachen. Das funktioniert irgendwie immer und schwupps – ist man am Ziel! Direkt an der großen Alesjaure-Hütte, wo noch einige Gäste sind, wollen wir nicht schlafen. Gestern erzählte uns eine Wanderin von einem tollen Lagerplatz direkt am See gegenüber eine Samen-Siedlung. Dahin wollen wir es trotz müder Knochen noch schaffen und tatsächlich ist der kleine Platz, der gerade mal Raum für ein Zelt hat, sensationell schön. Nicht mal fünf Meter vom Seeufer liegt er entfernt und ist gut durch hüfthohe Büsche gegen den Wind geschützt. Wir sind müde, irgendwie ist es saukalt gerade. Vielleicht liegt das auch am wolkenlosen Himmel. Wir kochen uns einen heißen Tee und verschwinden schnell in die warmen Schlafsäcke. Meiner hat 0° Grad Komfortzone doch irgendwie habe ich den Eindruck, dass er diese Nacht zu dünn sein wird. Andy leiht mir seine Isolationsjacke und zusammen mit meiner Daunenjacke pimpe ich ihn deutlich auf. Gegen zehn Uhr am Abend muss ich nochmal raus aus dem Zelt und merke, dass das Innenzelt komplett eingefroren ist. Der Himmel ist sternenklar und Draußen ist es wirklich sch…kalt. Schnell bin ich zurück in der warmen Koje.

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Tag 5
Als wir am Morgen das Zelt verlassen, ist alles mit Rauhreif überzogen. Das Zelt, die Sträucher, die Steine und alle Pfützen sind komplett zugefroren. Wir schätzen, die letzte Nacht muss es ca. minus 5° gehabt haben, sogar unsere Trinkbehälter sind angefroren und die waren im Zelt gelegen. Wir wärmen unsere Hände am heißen Kaffeebecher und versuchen, das Eis vom Zelt zu schütteln, damit unser Schlafpalast nicht noch ein Kilo mehr wiegt. Im Südosten geht die Sonne auf und ihre Strahlen sind noch immer intensiv genug, um die Kälte der Nacht zu vertreiben. Nach dem kurzen Frühstück packen wir mit klammen Fingern alles zusammen und machen uns auf den Weg. Heute geht es erstmal einige Stunden am Seeufer entlang also ist nicht mit vielen Höhenmetern zu rechnen aber ein ganz neues Problem taucht auf.: Die Holzplanken sind komplett von einer weißen Frostschicht überzogen und verdammt glatt! Wir laufen wie auf Eiern und schaffen es, ohne Sturz durch die ersten Kilometer des Tages zu kommen.

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Der Tag bringt dann echtes Kaiserwetter und die Sonne lacht vom blauen Himmel. Nur der Wind ist frisch und so müssen wir mit Windbreaker unterwegs sein. Die goldgelben Herbstfarben, der türkisgrüne See und die Weite Lapplands begeistern uns immer wieder. Am Nachmittag sehen wir dann endlich unsere ersten Rentiere, die am Ende des Sees in der Nähe einer kleinen Samensiedlung grasen. So langsam müssen wir uns entscheiden, ob wir heute noch bis zur Abiskojaurehütte gehen. Dann müssen wir auch dort zelten, da Nationalpark. Oder aber wir suchen vor der Parkgrenze ein Camp und sind dann für unsere letzte Nacht im Zelt nochmal abseits von allem, was an Zivilisation erinnert. Die zweite Idee gefällt uns deutlich besser und so wandern wir in Richtung eines auf der karte eingezeichneten Meditationsplatzes.

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Mittlerweile wissen wir, dass die immer auf besonders schönen Flecken sind. Zwei Stunden später erreichen wir den Ort und der Blick von dort ins Tal der Abiskojaure ist tatsächlich magisch, ja fast meditativ. Einziges Problem: Es gibt kein Wasser hier oben. Normalerweise ist es auf dem gesamten Kungsleden nie schwierig, Wasser zu finden (meist hat man mehr als einem lieb ist), aber hier finden wir kein Bächlein, keine Quelle. Nur unten im Tal tost ein reißender Fluss und wir sehen auch eine Hängebrücke. Dort kommt man bestimmt an Wasser und so weit kann das nicht sein. Also bleiben wir schön hier oben und holen das Wasser dann eben später im Tal. Eine weise Entscheidung. Wir stellen das ziemlich feuchte Zelt auf und trocknen alles in der warmen Nachmittagssonne. Bequem sitze ich mit Sitzkissen auf einem Stein bzw. Andy auf seinem Walkstool-Klapphocker (ja, auch das Teil musste für Andy ins Gepäck) und wir zelebrieren Glamping pur (ist der neueste Trend aus den USA = Glamour camping) der Kaffee und die Bioschokolade schmecken so noch viel besser 😉  😉

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An unserem Camp kommt ein Japaner vorbei und erzählt begeistert von den Polarlichtern der letzten Nacht. Stimmt, dass ist ja ein Vorteil vom Kungsleden Wandern im Herbst, man kann mit Glück Polarlichter sehen, da es einige Stunden dunkel ist. Gegen halbelf und um Mitternacht sei es so was von toll gewesen, grün und rot hätten sie am Himmel geleuchtet. Der Mann war nicht mal zwei Kilometer von uns in der Hütte und wir haben es wegen der Kälte verbockt!! Kann ja keiner damit rechnen, dass ausgerechnet in dieser kalten Nacht so ein Spektakel stattfindet. Wir sind irgendwie ziemlich frustriert und beschließen, heute nacht regelmäßig vors Zelt zu gehen, damit wir nicht erneut Polarlichter verpassen.

Tag 6
Was für eine Nacht! Nee, es gab keine Polarlichter, trotz sternenklarem Himmel. Dafür gab es wenig Schlaf… Ich bin tatsächlich von Neun bis Drei Uhr jede Dreiviertelstunde raus aus dem gemütlichen Schlafsack, Reißverschluss auf, Schuhe an, raus aus dem Zelt und… nichts. Also zurück ins Warme und mit ganz leichtem Schlafversuch nach kurzer Zeit wieder raus. Es hat nicht sollen sein. Dafür bin ich für den letzten Trekkingtag jetzt schön müde. Nachdem wir unseren Meditationsplatz verlassen haben, geht es steil hinunter ins Tal, über die kleine Hängebrücke und hinein in den offiziellen Absiko Nationalpark. Hier ist so ziemlich alles verboten aber das hat auch einen Grund, denn im Sommer sind tausende Menschen von Abisko aus hier unterwegs und wenn da jeder wild Campen, Feuer machen usw. würde, dann sähe es auch ganz schnell genauso aus. Wir passieren die Abiskojaurehütte und haben wieder einmal das Problem mit vereisten Holzstegen, wo wir drüber balancieren. Die Landschaft wird zusehends waldiger, erste Bäume säumen den Weg. Mir gefällt diese Landschaft nicht so gut, wie das baumlose Hochfjell aber vielleicht liegt es auch nur daran, dass der Speicherchip im Kopf schon so voll ist mit Eindrücken der letzten Tage, dass man jetzt nur noch nach Hause möchte.

Die letzten Kilometer gehen durch dichten Birkenwald und gegen Mittag stehen wir dann am wohl sehr häufig fotografierten Kungsleden Eingangstor, wo alle Wanderer anfangen oder ihre Tour beenden. Auch wir wollen diesen Moment feiern und bitten eine ältere Dame, doch ein Erinnerungsfoto von uns vor dem Kungsleden-Schild zu knipsen. Macht sie freundlicherweise auch, drückt sogar zweimal drauf und am Abend beim Bier in der Abisko Mountain Lodge merken wir, dass irgendwie kein Foto im Kasten ist… tja, das war wohl nichts! Wir sehen es positiv und haben so einen guten Grund, nochmal hier hinzukommen.  Fortsezung unten

   Fotogalerie:

Kungsleden Wandern im Herbst – Tipps zur Vorbereitung

 

Den Kungsleden Süd-Nord oder Nord-Süd gehen?
Eigentlich ist es ziemlich egal, wie herum man den nördlichen Kungsleden geht, maximal die Bus- oder Zugverbindungen zum Start und Zielort machen einen Unterschied. Da ich die Kungsleden Winterdurchquerung in Abisko gestartet war, wollte ich diesmal im Süden in Nikkaluokta beginnen. Nachdem ich nun beide Richtungen gemacht habe, muss ich sagen, dass es ziemlich egal ist, wie herum man den Kungsleden wandert.

Die beste Reisezeit – für uns: Kungsleden wandern im Herbst!
Mein Freund Andy und ich überlegten zuerst, im Juli zu starten, Berichte über viele Touristen und vor allem noch mehr Mücken ließen uns aber schnell den Entschluss fassen, unsere Kungsleden Wanderung in den Herbst zu legen. Die Temperaturen in der Nacht sind schon niedrig, weshalb es bedeutend weniger bis gar keine Mücken hat, es sind weniger Menschen unterwegs und vor allem ist die Landschaft in eine sehr schöne rötlich-gelbe Farbe getaucht. Im Nachhinein muss ich sagen, dass unsere Entscheidung für eine Kungsleden Wanderung im September absolut perfekt war! Die Hütten schlossen zum Ende unserer Wanderung und entsprechend einsam war es dann. Wer den Kungsleden mit Hüttenübernachtungen machen möchte, sollte sich beim Schwedischen Wanderverein STF über die Öffnunsgzeiten der Hütten rechtzeitig informieren. Im Oktober sind die Busverbindungen nach Nikkaluokta unregelmäßig bzw. ganz eingestellt. Man kann aber mit Taxi ab Kiruna anreisen. Mit erstem Schnee ist ab Mitte September zu rechnen. Dieser bleibt meist nicht lange liegen aber die Nachttemperaturen können deutlich im Minusbereich liegen!

Kungsleden – die Anreise
Bevor es auf die wohl schönste Wanderung Skandinaviens gehen kann, muss man erst einmal hinkommen. Der nördliche Kungsleden liegt ja bereits deutlich oberhalb des Arctic Circle und auch im letzten Zipfel von Schweden. Auf der Landkarte ganz schön weit oben und damit auch weit weg von Deutschland! In jedem Fall geht es zunächst nach Kiruna, Zentrum der Region und kleine Bergbaustadt. Entweder fährt man mit dem Zug durch ganz Schweden, was reizvoll ist aber auch sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, oder man fliegt von Stockholm. Die Flugstrecke innerhalb Schwedens war bei unserer Anreise genau so lang, wie der Flug von Berlin nach Stockholm, was einem mal wieder zeigt, wie groß Schweden ist und wie weit im Norden der Kungsleden liegt!

Wir kamen an einem Sonntag Nachmittag in Kiruna an. Es regnete in Strömen und die kleine Stadt wirkte trostlos und ziemlich verlassen. Bevor es die nächsten Nächte auf die Isomatte ins Zelt gehen würde, gönnten wir uns nochmal ein gutes Hotelzimmer im Bishops Arms, einem kleinen zentralen Hotel mit urigem Irish Pub im Erdgeschoss. Praktisch! Das Pub testeten wir auf Herz und Leber und ließen uns die leckeren Biere gut schmecken… Am nächsten Morgen wollten wir den Bus nach Nikkaluokta nehmen, also keine Zeit für Provianteinkauf (weshalb wir diesen bereits aus Deutschland mitbrachten). Nur die Gaskartusche für den Kocher fehlte uns noch, da es strikt verboten ist, im Flugzeug Gas mitzunehmen. In Kiruna gibt es zwei Möglichkeiten, an Gaskartuschen zu kommen: Ein kleiner Outdoor-Ausrüster und ein Intersport-Laden. Der Intersport macht jedoch erst um zehn auf, da sitzen wir längst im Bus! Also blieb uns nur der andere Shop und der machte zum Glück pünktlich auf – und hatte trotz Saisonende noch ein paar Kartuschen im Regal. Es gibt jedoch noch eine weitere Möglichkeit: in der Kebnekaise- Fjällstation hat es einen Shop mit Gaskartuschen aber auch dort kann es zum Ende der Saison mal ausverkauft sein und dann hat man wirklich ein Problem!