Solo zum Südpol – Johanna Davidsson

Die berühmten Polarforscher  Amundsen und Nansen nutzten die norwegische Stadt Tromsø als Ausgangspunkt für ihre Abenteuerreisen. Von hier segelten sie los, um die Pole zu entdecken. Gut einhundert Jahre später bereitet sich Johanna Davidsson in der gleichen Stadt auf ein großes Abenteuer vor: Sie will als erste Schwedin Solo zum Südpol gehen. Im Interview erzählt sie über Wintertouren, die Liebe zur Natur und das Projekt Südpol.

Hallo Johanna, im November 2016  willst du als erste schwedische Frau solo zum Südpol gehen. Wie bist du eigentlich auf Polar-Abenteuer gekommen?



Nachdem ich meine erste Saison in den Alpen verbracht habe, als ich 20 Jahre alt war, wurde mir klar, dass ich Winter, Schnee und Skifahren liebe. Auch die nördlichen Regionen unserer Erde hatten es mir angetan. Ich mag einfach Abenteuer, egal ob lange oder kürzere Reisen. Wenn man einfach losgeht von einem Ort zum anderen und nicht genau weiß, wie es laufen wird. Also ist es eine Kombination dieser Dinge, die mich zu polaren Abenteuerreisen gebracht hat.



Welche Erfahrungen hast Du bisher bei Wintertrips sammeln können?



Ich habe Erfahrung von meiner Skisaison in den Alpen. Wo ich Touren und Freeskiing gemacht habe. Aber die meiste Erfahrung habe ich in den Bergen von Schweden und Norwegen gesammelt. Ich verbrachte zwei Jahre in einer Outdoor-Schule im nördlichen Teil Schwedens und lernte dort eine Menge über das, was man braucht, um einen skandinavischen Winter Draußen zu überleben. Einen Winter verbrachte ich in Finse/ Norwegen auf der Hardangervidda, wo ich kiten gelernt habe und viele Wintertouren ging. Mein längstes Wintererlebnis war mit meiner Schwester, als wir Grönland von Süd nach Nord in 36 Tagen mit Kites durchquerten. 




Du hast eine enorme Distanz auf Grönland mit Kite und Ski zurückgelegt. Was  wird der größte Unterschied zu der geplanten Südpol Expedition sein?



Der Südpol wird kälter und natürlich ganz anders, weil ich alleine unterwegs sein werde. Der Wind wird diesmal keine Hilfe sein, da ich ohne Kite gehe. Es wird dadurch physisch härter sein und es wird auch eine sehr viel teurere Reise, was bedeutet, dass ich Sponsoren für das Projekt brauche. 



johanna

Du wirst die Expedition „unsupported“ machen, was bedeutet, dass alles vom Start bis zum Ziel am Südpol im Schlitten sein muss. Wie viele Kilos wird der Pulkaschlitten wiegen?


Ich werde versuchen, nicht mehr als 100-110kg zu haben.




Wie sieht ein  typischer „Arbeitstag“ in der Antarktis aus, wann fängst Du morgens an, wie ist der Tagesablauf, wie viele Kilometer musst Du pro Tag schaffen?



Die Sonne ist zu dieser Zeit immer da in der Antarktis, so dass es nicht wirklich wichtig ist, wann ich genau morgens starte. Aber ich werde versuchen, eine Routine einzuhalten, wo ich früh aufstehe, mein Morgenprogramm wie Schneeschmelzen, Müsli essen, Ausrüstung packen verrichte, bevor es dann losgeht.  Ich muss im Durchschnitt 23 bis 25 km pro Tag schaffen. Ich werde einen Rhythmus haben, wo ich immer 60 min gehe und dann eine kleine Pause von 10 min mache. Natürlich wird alles auch wetterabhängig sein. Nachdem ich dann für etwa 10 Stunden auf Skiern gestanden bin, werde ich das nächste Lager errichten, Schnee schmelzen, essen, meine Position an die Zivilisation durchgeben und vielleicht noch ein paar Seiten im Buch zu lesen, wenn ich es schaffe, wach zu bleiben! Es klingt vielleicht ein bisschen langweilig mit der ganzen Routine, aber dazwischen werde ich sicher eine unglaubliche Aussicht genießen und eine gute Zeit mit mir selbst haben.




Hast Du Angst vor der Einsamkeit während der Tour?



Nicht wirklich. Ich war schon mal 3 Monate lang auf einer Solo-Kajaktour entlang der Küste von Schweden und Finnland und hab es mit mir selbst ziemlich gut ausgehalten. Aber natürlich war ich noch nie so lange an einem so einsamen Ort wie der Antarktis. Durch die moderne Technologie habe ich zum Glück auch die Möglichkeit, mit meinem Satellitentelefon Kontakt zu den Menschen zu halten und jemanden anzurufen, wenn ich Unterstützung brauche. Natürlich nur, wenn die Technologie funktioniert!



Hast Du mehr Angst vor einem mentalen oder oder körperlichen Tief?



Ich glaube, ich habe mehr Angst vor körperlichen Problemen. Wenn ich verletzt, krank bin oder etwas mit meinem Körper passiert, das es schwierig macht, weiterzugehen.



Lass uns über Kommunikation zu sprechen, welche Geräte nimmst Du mit? Wie oft wirst Du Kontakt nach Hause haben?

Ich habe einen Satellitentelefon. Vielleicht werde ich noch eine Ersatzgerät mitnehmen. Ein PLB (Personal Location Beacon) ist dabei, womit ich im Notfall ein Signal absetzen kann. Meine Position werde ich täglich an ALE senden. Das ist das Unternehmen, das im Notfall eine Evakuierung durchführt.  Und ich werde einen täglichen Blog schreiben, so dass Familie, Freunde, Sponsoren und andere Menschen, die interessiert sind, mir folgen können.




südpolkarte

Die Kosten für Polarexpeditionen sind immer hoch. Wie viel wird Dein Projekt insgesamt kosten? Welche Unterstützung brauchst Du noch?



Ja, es ist sehr teuer! Mein Budget liegt in der Nähe von 200 000 Euro. Ich muss noch das meiste von diesem Betrag einsammeln. Die Suche nach Sponsoren ist eine der größten Herausforderungen aber ich arbeite hart daran, die Finanzierung hinzubekommen.




Ein Freund hat vor zwei Jahren den last degree zum Südpol gemacht und erzählte, dass es da ganz besondere Vorschriften gibt hinsichtlich Abfall und auch Toiletten-Hygiene. Was hat es damit auf sich?



Kann es sein, dass er die Regel meint, wonach es nicht gestattet ist, jegliche Abfälle, also nicht einmal „organischen“ Toilettenabfall liegen zu lassen? Haha, ich denke, ich muss dies nochmal genau überprüfen, bevor ich losgehe!




Und Deine Eltern und Freunde, was sagen sie zum Projekt?

Meine Familie unterstützt mich total. Meine Mutter ist natürlich ein wenig besorgt, aber sie denkt, Südpol ist eine gute Sache, da brauche ich mich zumindest nicht um Eisbären zu kümmern. Die meisten Freunde unterstützen mich, obwohl sicher einige denken,  dass ich etwas verrückt bin.



Welche Art von Training und Vorbereitung ist für eine Südpol-Expedition notwendig? Wann muss man damit anfangen?



Ich habe bereits begonnen und versuche, so viel zu trainieren, wie es meine Zeit erlaubt. Umso näher der Starttag rückt, desto intensiver wird das Training auch werden. Momentan trainiere ich in den Bergen rund um Tromsö mit Ski aber auch im Fitnessstudio. Ich werde auch ein paar Skitouren mit Pulka machen und nach dem Winter geht es dann ans Reifenziehen im Wald.



pulkas

Reden wir über die Kälte. In Deutschland würden einige sportive Frauen sicher gerne mal eine Expedition oder Wintertour machen aber die meisten haben Angst vor dem rauen Klima, vor allem, wenn Sie über Nacht im Zelt schlafen müssen. Sind Skandinavierinnen härter oder was sind deine Geheimnisse gegen das Frieren?



Oh, ich habe eigentlich noch nie gedacht, dass wir skandinavischen Mädels härter sind als der Rest in Europa. Aber ich denke, wenn du weit im Norden lebst und das kalte Klima gewöhnt bist, hast du vielleicht auch weniger Angst vor der Kälte und Wintertouren. Ich kenne eine Menge coole Mädchen hier oben im Norden, die ziemlich abgefahrene Sachen tun, wenn es um Laufen, Skifahren Expeditionen, Hundeschlitten, Klettern und Kajakfahren geht. Vielleicht ist nur die Einstellung der Kälte gegenüber anders. Aber ich glaube nicht, dass ein skandinavisches Mädchen weniger friert als andere Mädchen!



Seit Jahren gehe ich in die Leerzonen unserer Erde, in Wüsten und auch in arktische Regionen. Nicht alle Menschen verstehen, warum ich das tue. Wie würdest Du es Ihnen erklären, warum macht man solche Trips?



Ich liebe den Horizont, weit entfernt von Städten und der Zivilisation in der Natur zu sein. Es ist etwas Besonderes, sich nicht auf andere Menschen zu verlassen, sondern das eigene Sein selbst in der Hand zu haben. Wenn du in der Wüste bist, auf Grönland oder der Antarktis musst du gut vorbereitet und konzentriert sein, um zu überleben. Die Achtsamkeit auf den eigenen Körper ist auf einer Expedition wichtiger als im täglichen Leben. Zu Hause wird man schnell bequem und faul und kümmert sich weniger um all diese Dinge. . Auch nach dem Wetter zu leben ist toll. Das Wetter wird entscheiden, wie dein Tag wird. Das mag ich.



Erzähl uns etwas über das Essen auf der Südpolexpedition. Was ist der tägliche Menüplan, wie viele Kalorien brauchst Du?

Ich werde alle meine Mahlzeiten von Out Meal bekommen. Es sind gefriergetrocknete Sachen sowohl für Mittag- und Abendessen. Zum Frühstück gibt’s  Müsli. Tagsüber werde ich eine Menge Snacks wie Schokolade, Nüsse und andere Kalorienbringer dabei haben. Es ist wichtig, dass die Snacks auch bei kalten Temperaturen gut schmecken. Ich liebe Essen, und ich habe noch nie Probleme gehabt gut zu essen, wenn ich auf einer Tour war. Das ist meiner Meinung nach eine gute Voraussetzung  für die Südpolreise, denn ich weiß, ich werde trotz großer Mengen Essen einige Kilos verlieren.



Du wurdest für das Haglöfs Scholarship ausgewählt. Was steckt hinter diesem Stipendium?



Ich bin sehr glücklich, diese Auszeichnung zu erhalten! Haglöfs wird mich auf dieser Expedition unterstützen. Dieses Stipendium, bedeutet  einen finanziellen Zuschuss von Haglöfs und auch, dass ich Bekleidung vom schwedischen Ausrüster bekomme.

Johanna, danke für das Interview. Ich wünsche Dir viel Erfolg, dass Du genügend Unterstützer für die Südpol-Expedition bekommst und die erste Schwedin sein wirst, die es Solo zum Südpol schafft!

Johannas Website: www.solosister.se