Islandwetter

Das Islandwetter beschreiben die Isländer selbst am treffendsten. Ihr Sprichwort sagt: Wenn Dir das Wetter auf Island nicht gefällt, warte einfach eine Viertelstunde.

In diesem Spruch liegt sehr viel Wahrheit.

Selten habe ich eine Region bereist, wo das Wetter erstens so unbeständig und zweitens auch regional unterschiedlich ist. Manche Touristen scheinen das jedoch nicht zu wissen, so sieht man am Flughafen von Reykjavik erstaunlich dünn bekleidete Menschen aus den Flugzeugen kommen. Unser isländischer Superjeepfahrer schüttelte neulich den Kopf als er mir erzählte, wie schlecht und unangemessen viele Touristen ins Hochland reisen würden. Er meinte „ You know, if they go to Greenland (Grönland) than I would understand that they expect warmer temperatures and a lot of green… but i mean ICEland !!!! the name should be clear?!

Den Wetterbericht zur Reisevorbereitung zu studieren, macht für Island wirklich überhaupt keinen Sinn, denn es kommt garantiert anders. Auf unserer letzten Trekkingreise durch Island hatten wir wieder einmal das volle Programm: Jeden Tag Regen, der aber zum Glück immer nur dann stattfand, wenn die Zelte standen und wir so keinen Tag die Regenjacke brauchten. Es gab Restschnee aus dem letzten Winter, sogar einen Hauch von Neuschnee auf den Berggipfeln, Sonne und Wolken im Mix, kalte Nächte und … nee, diesmal nicht mal warme Tage, denn der Sommer fällt in diesem Jahr auf Island anscheinend aus. Die Temperaturen lagen durchschnittlich 5° Grad unter Normalwert.

Island bietet sensationelle Weite und so konnten wir oft bis zum Horizont schauen – und was wir dort erblickten war nicht immer schön: Dunkle Wolken, Regenfetzen, die von den Wolken herabhingen und an manchen Tagen war das nördlich von uns, südlich von uns, westlich von uns… und ja, richtig: auch östlich von uns. Ringsherum goss es also aber wir durften tatsächlich den ganzen Tag im Trocknen wandern!

Woran liegt das? Um das Islandwetter zu verstehen, muss man sich einige Parameter ansehen, die eben genau zu diesen Lokalwetterlagen führen: Island ist eine Insel und umgeben von verschiedenen Meeresströmungen, Auf dem Land gibt es Gletscher, die auch im Sommer Minusgrade haben und oft eine Wolkenbarriere darstellen. Mir ist es schon passiert, auf dem größten Gletscher, dem Vatnajökull im Sonnenschein zu wandern und rings um den Gletscher hingen dunkelste Wolken!

Der Wind ist eigentlich immer ein zuverlässiger Stammspieler in der isländischen Wettermannschaft. Nur dieses Mal, saß er auf der Ersatzbank… Aber generell kann man schon sagen, dass vor allem durch den stetigen Wind das Islandwetter schnell wechselt. Richtig schön bleibt es selten länger, dafür wird man tagelangen Dauerregen eben auch nicht erleben müssen.

Was kann man also dem Wanderfreund für Island raten? In jedem Fall Regensachen und wasserdichte Wanderstiefel einpacken, eine leichte Daunenjacke kann nicht schaden, eine Windjacke sowieso und auch eine warme Mütze geht immer. Sonnencreme nicht vergessen, und auch kurze Hosen dürfen ins Gepäck!

Und wenn es dann bei der Wanderung auf Island doch einmal fürchterlich regnen sollte… einfach eine Viertelstunde warten 😉

Nachtrag 9/2015: Island lässt sich einfach in kein Schema pressen… Das erste Mal bescherte uns der Wettergott bei der Augustreise im Hochland nun sogar zweimal 3 Tage Dauerregen… Da half leider auch kein Viertelstündchen abwarten ;-))